
Die Clean Pro Expo ist die erste eigene Reinigungsfachmesse der Vierländerregion Bodensee. Vom 15. bis 17. September 2026 kamen 4’200 Fachbesucher zu 187 Ausstellern auf 12’600 Quadratmeter nach Friedrichshafen. Aus einer regionalen Idee wurde in gut zwei Jahren ein fixer Termin bis 2028.
Friedrichshafen fehlte der professionellen Reinigung bisher als Messestandort. Die Messe Friedrichshafen füllte diese Lücke am 15. September 2026 mit einem Format, das Süddeutschland, Österreich, die Schweiz und Norditalien gezielt zusammenführt. Verteilt auf die Hallen A7 und B5, das Foyer Ost und das Freigelände Ost deckten knapp 190 Aussteller die gesamte Kette von der Reinigungschemie über konventionelle und autonome Maschinen bis zur Branchensoftware ab. Der Eintritt war frei, was die Objektleitung ohne Budgetantrag an die Stände brachte.
Das Konzept setzt auf einen Zweijahresrhythmus und positioniert sich als günstige Ergänzung zu den grossen Leitmessen. Für Betriebe aus der Schweiz verkürzt der Standort am Bodensee die Anreise auf wenige Fahrstunden, was gerade bei erklärungsbedürftigen Investitionsgütern über den Besuch entscheidet. Dominique Wassermann, Niederlassungsleiter von Igefa in Memmingen, bestätigte ein Publikum vom Entscheider über die Objektleitung bis zur Reinigungskraft.
Robotik auf der Demofläche
Die Demofläche in Halle B5 bildete das Herzstück der Premiere. Statt Prospekte am Stand zu verteilen, liessen die Hersteller ihre autonomen Scheuersaugmaschinen und Reinigungsroboter unter realitätsnahen Bedingungen über die Fläche fahren. Der Nutzen für die Objektleitung liegt genau hier: Ein Roboter, der eine 2’000 Quadratmeter grosse Halle nachts allein reinigt, entlastet das Team von Routinewegen und verschiebt die menschliche Arbeit auf Kanten, Treppen und Sanitärbereiche.
Mehrere Aussteller meldeten konkretes Kaufinteresse direkt an der Demofläche. Eine Maschine, die vor den eigenen Augen über einen verschmutzten Boden gefahren ist, überzeugt die Geschäftsleitung schneller als jedes Datenblatt. Bei der Investitionsentscheidung zählt weniger die Flächenleistung pro Stunde im Prospekt als die Bahnplanung an Hindernissen und die Anbindung an Aufzüge und automatische Türen.
Die Grenzen der Automatisierung zeigten sich an denselben Ständen. Ein Roboter reinigt die freie Fläche, doch Randzonen, Treppenhäuser und stark frequentierte Sanitärbereiche bleiben Handarbeit, weshalb die Maschine das Team ergänzt und nicht ersetzt. Für die Kalkulation zählt der eingesparte Personalaufwand auf der grossen Fläche gegen die Kosten für Anschaffung, Ladeinfrastruktur und Betreuung des Systems.
Drohnen für Fassade und Dach
Das Freigelände Ost verlagerte die Reinigung erstmals in die Höhe. Neben klassischer Höhenzugangstechnik zeigten die Anbieter ein Reinigungssystem für die Schwerlastdrohne DJI Matrice 400, das eine Reinigungslanze mit einem 40 Meter langen Hochdruckschlauch kombiniert. Damit lassen sich Fassaden, Dächer und Solaranlagen bearbeiten, ohne dass eine Person ins Gerüst oder in den Hubsteiger steigt.
Für Verantwortliche im Facility Management verschiebt diese Technik die Rechnung bei der Gebäudehülle. Eine Fassadenreinigung ohne Gerüst senkt die Rüstkosten und verkürzt die Sperrzeiten am Objekt, während die Arbeit aus dem Absturzbereich verschwindet. Verschmutzte Photovoltaik verliert messbar an Ertrag, weshalb die regelmässige Drohnenreinigung von Solarfeldern für Eigentümer und Verwaltungen zur betriebswirtschaftlichen Grösse wird.
Der Aktionsradius der Drohne bleibt an den Boden gekoppelt, weil der 40 Meter lange Schlauch sie mit Pumpe und Wassertank am Fahrzeug verbindet. Das Verfahren eignet sich damit für periodische Einsätze an gut zugänglichen Fassaden und Solarfeldern, nicht für die tägliche Unterhaltsreinigung. Wer solche Aufträge vergibt, verlagert Haftung und Arbeitssicherheit auf den Dienstleister und dessen zertifizierte Pilotinnen und Piloten.
Automatisierung gegen den Personalmangel
Das Vortragsprogramm im Foyer Ost drehte sich an allen drei Tagen um dasselbe strukturelle Problem: zu wenig Personal für zu viel Fläche. Automatisierung erschien dort nicht als Selbstzweck, sondern als Antwort auf offene Stellen, die sich am Markt nicht besetzen lassen. Den spekulativeren Rand markierte ein humanoid konzipierter Roboter namens Lumi, der unterstützende Handgriffe übernehmen soll und vorerst Zukunftsmusik bleibt. Die reale Entlastung liefern die autonomen Scheuersaugmaschinen, deren Fortschritt weniger in der Optik liegt als in der Zuverlässigkeit der Navigation und in der Übergabe an ungelerntes Personal.
Die Dichte an Automatisierung wirft für die Betriebsleitung eine nüchterne Kostenfrage auf, die über den Anschaffungspreis hinausgeht. Ein Reinigungsroboter kostet je nach Klasse einen mittleren fünfstelligen Betrag, doch die eigentliche Rechnung entsteht aus Wartung, Ersatzteilen, Softwaregebühren und der Zahl der Betriebsstunden pro Woche, über die sich das Gerät amortisiert. Modelle mit monatlicher Miete oder Leasing nahmen an mehreren Ständen breiten Raum ein, weil sie das Risiko der schnellen technischen Alterung vom Betrieb auf den Anbieter verlagern. Auf wenig frequentierten Flächen bleibt die konventionelle Maschine wirtschaftlicher.
Das Bühnenprogramm verband die Technik mit der Betriebswirtschaft. Fadime Sarikaya vom Dienstleister Sarikohn und Prof. Dr. Benjamin Eilts von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen zeigten in ihrem Beitrag zur strategischen Beschaffung, wie sich der Einkauf in Reinigung und Hygiene vom reinen Preisvergleich löst. Auf derselben Bühne stellten die Initiatorinnen von She.Connect ihr neues Frauennetzwerk für die Gebäudedienste vor, das in einer stark von weiblicher Arbeitskraft getragenen Branche auf Sichtbarkeit und auf Nachwuchs für die mittlere Führungsebene zielt.
Dosiertechnik und Ressourcen
Neben der sichtbaren Robotik stand die weniger spektakuläre Chemie im Zentrum handfester Einsparungen. Moderne Dosiertechnik ersetzt das Schätzen an der Flasche durch Sensorik, die Reinigungsmittel punktgenau zumischt und damit Überdosierung, Materialschäden und unnötigen Verbrauch senkt. Das schlägt sich direkt in der Chemikalienrechnung und in der Lebensdauer empfindlicher Beläge nieder.
Gerade bei empfindlichen Böden wie Linoleum entscheidet die Dosierung über den Werterhalt, weil eine zu scharfe Mischung die Oberfläche dauerhaft schädigt. Die Nachhaltigkeitsdebatte an den Ständen drehte sich deshalb selten um Etiketten und häufiger um messbare Grössen: weniger Wasser, weniger Chemie pro Quadratmeter und längere Nutzungszyklen. Diese Rechnung überzeugt die Betriebsleitung dort, wo sie ökologische Ziele mit sinkenden Kosten verbindet.
Digitalisierung und Nachweis
Die Digitalisierung zeigte sich weniger als Schlagwort denn als Nachweisproblem im Alltag. Auftraggeber verlangen zunehmend den Beleg, dass eine vereinbarte Leistung erbracht wurde, und Sensorik an Sanitärräumen oder digitale Kontrollgänge liefern diesen Nachweis in Echtzeit. Für die Objektleitung verlagert sich die Steuerung von der starren Wochenplanung auf die bedarfsorientierte Reinigung, die eine Fläche dann bearbeitet, wenn Frequenz oder Verschmutzung es verlangen.
Über den Nutzen entscheidet die durchgängige Datenkette. Solange Tourenplanung, Zeiterfassung und Qualitätskontrolle in getrennten Systemen liegen, entsteht Mehraufwand statt Entlastung, weshalb die Anbieter mit der Anbindung an bestehende Systeme des Facility Managements warben. Wer Verbrauch, Wegzeiten und Reklamationen als belastbare Zahlen vorlegt, begründet Investitionen in Maschinen oder Personal gegenüber Auftraggeber und Geschäftsleitung nachvollziehbar.
Der Standort als Argument
Die geografische Lage trug die Premiere stärker als jedes einzelne Produkt. Friedrichshafen liegt im Schnittpunkt von Süddeutschland, Vorarlberg, der Ostschweiz und Norditalien, was Aussteller wie Besucher als kurze Anreise und dichtes Kontaktnetz erlebten. Simone Bäumer, Vorstandsvorsitzende der Highclean Group, hob neben der Besucherfrequenz vor allem die Gesprächsqualität am Stand hervor.
Hinter der Messe stehen Personen aus der Region, die den Bedarf aus der Praxis kennen. Florian Stier von der Stier Gebäudereinigung in Ravensburg und Martin Halbrainer, Geschäftsführer von Clean Consulting Austria und Landesinnungsmeister in Vorarlberg, trieben das Format als Fürsprecher voran. Diese Nähe zur Anwenderschaft erklärt, warum das Programm aus der Betriebsperspektive gedacht war und nicht aus jener der Marketingabteilungen.
Bilanz und Ausblick 2028
Ein formeller Innovationspreis fehlte der Premiere, weshalb sich die Gewinner an der Resonanz ablesen lassen. Den stärksten Zuspruch erhielten die praktischen Vorführungen, allen voran die Demofläche der Robotik und der Drohneneinsatz im Freien, weil beide den Nutzen unmittelbar sichtbar machten. Auch die Textilpflege war mit eigenen Partnern vertreten und erweiterte das Spektrum über die reine Bodenreinigung hinaus.
Die zweite Ausgabe steht fest und findet vom 12. bis 14. September 2028 erneut in Friedrichshafen statt. Für Betriebe, die grössere Investitionen in Robotik oder Digitalisierung planen, liefert dieser Zweijahrestakt einen berechenbaren Rahmen, um Angebote zu vergleichen und Systeme vor dem Kauf im Einsatz zu sehen. Die Premiere hat gezeigt, dass ein regional gedachtes Format neben den internationalen Leitmessen bestehen kann.
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