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ÖGA 2026: Grünpflege als strategische Führungsaufgabe

Datum
14.7.26
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Hitze, Wassermangel und Automatisierung:konkrete Antworten für die Praxis
Drei Tage, zwölf Hektar Park rund um dieGartenbauschule Oeschberg und eine Branche, die ihre Maschinen im laufendenEinsatz statt im Showroom zeigt. Was die 33. Ausgabe in Koppigen bündelte, warweniger Produktschau als Standortbestimmung darüber, wohin sich die Pflege vonAussenanlagen unter Klimadruck bewegt.

Rekordhitze als Praxistest für jedeAussenanlage
Über 400 ausgebuchte Stände und mehr alsfünfzig angemeldete Neuheiten fassten die Organisatoren am Ende unter demBefund zusammen, dass die ÖGA der Rekordhitze trotzte. Was als Wetteranekdoteklingt, war faktisch ein Belastungstest unter realen Bedingungen. WerLiegenschaften, Areale oder kommunale Flächen betreut, kennt die Rechnung:Hitzeperioden verschieben den Bewässerungsbedarf, setzen Rasenflächen undJungbäume unter Stress und verlängern die Pflegefenster in die frühen Morgen-und späten Abendstunden. Der Branchentreffpunkt im Berner Mittelland machtesichtbar, dass die Antwort nicht in mehr Wasser, sondern in präzisererSteuerung liegt.

Für das Anlagenmanagement bedeutet daseinen Perspektivenwechsel. Eine Grünfläche ist nicht länger ein Kostenposten,der saisonal abgearbeitet wird, sondern ein System mit messbarem Wasser-,Energie- und Personalaufwand. Wer die Betriebskosten einer Aussenanlage überzehn Jahre denkt, beurteilt eine Neuanschaffung anders als jemand, der nur denAnschaffungspreis sieht. Genau diese Verlagerung von der Maschinenschau zurbetriebswirtschaftlichen Standortbestimmung prägte die 33. Ausgabe spürbar.

Die Sonderschau «rundum gesund» rücktMenschen und Böden zusammen
Den thematischen Kern bildete dieSonderschau «rundum gesund», die Gesundheit aus zwei Richtungen las. Botanischging es um vitale Pflanzen und intakte Böden als Grundlage widerstandsfähigerGrünräume. Auf den Menschen bezogen ging es um ergonomisches und sicheresArbeiten. Diese Doppelung trifft den Nerv jeder Organisation, die Pflegeteamsführt: Ausfallzeiten durch Fehlbelastung, der Wettbewerb um Fachkräfte undsteigende Anforderungen an Arbeitssicherheit lassen sich nicht mit gutem Willenlösen, sondern mit Arbeitsmitteln, die Belastung systematisch reduzieren.

Der Zusammenhang zwischen Bodengesundheitund Betriebsbudget wird häufig unterschätzt. Verdichtete, ausgelaugte Bödenbrauchen mehr Wasser, mehr Dünger und mehr Nacharbeit. Die Sonderschaupositionierte gesunde Böden deshalb als kostensenkenden Faktor statt alsökologisches Anhängsel, was für die Planung von Unterhaltsbudgets einebelastbare Argumentationslinie liefert.

Sechs ausgezeichnete Neuheiten mitdirektem Bezug zur Flächenbewirtschaftung
Eine unabhängige Fachjury kürte in derKategorie der technischen Neuheiten sechs Sieger, deren gemeinsamer NennerAutomatisierung, Präzision und Ressourcenschonung war. Mehrere davon lassensich unmittelbar auf grössere Liegenschaften und Areale übertragen.

Der autonome Profi-Mähroboter Kress«Voyager KR800E» von Positec arbeitet mit LiDAR-Navigation und ist für Flächenbis 28'000 Quadratmeter ausgelegt. Damit verlässt die Robotik den privatenVorgarten und wird zur Option für Werkareale, Parkanlagen und institutionelleLiegenschaften, wo wiederkehrender Mähaufwand erhebliche Personalkapazitätbindet. Wer Pflegeverträge kalkuliert oder vergibt, sollte solche Systeme alsrealistische Variable einplanen.

Der Biofilter «Ecopool Q1» von eco-poolbereitet Badewasser biologisch und ohne herkömmliche Desinfektionsmittel aufund kommt als standardisiertes Plug-and-Play-Modul. Für Betreiber vonAussenanlagen mit Wasserflächen verschiebt das die Diskussion vonChemikalienlogistik hin zu wartungsärmeren, biologisch stabilen Systemen.Hauert steuerte mit «Plantiful» ein Düngesystem aus wasserlöslichem Granulatmit integrierter Dosierung bei, das die Nährstoffgabe planbar undressourcenschonend macht statt auf Erfahrungswerte zu setzen.

Birchmeier wurde für die «e-Linie» mit demAkku-Kompressor «TLK 35» ausgezeichnet, der einen konstanten Arbeitsdruck fürSprüh-, Schaum- und Pulvergeräte hält und damit die Ausbringung gleichmässigerund kontrollierbarer macht. Wacker Neuson erhielt die Auszeichnung für einwerkzeugloses Muldenwechselsystem am Raddumper «DV60», das aus einem Transportgeräteinen flexiblen Geräteträger macht. Münz Fahrzeugbau komplettierte das Feld miteinem multifunktionalen Rampensystem für Dreiseiten-Absenkkipper, dasBedienkomfort und Arbeitssicherheit gleichermassen erhöht.

Automatisierung wird vom Versprechen zumWerkzeug
Bemerkenswert war, was bereits im Vorfeldals besonders innovativ gehandelt wurde: eine KI-gesteuerte Laser-Technologiezur Unkrautbekämpfung und ein vollelektrischer Einachsgeräteträger. Beidemarkieren eine Richtung, in der mechanische und chemiefreie Verfahren an Bodengewinnen. Für Organisationen, die Pestizideinsatz reduzieren müssen oderwollen, sind das keine Zukunftsbilder mehr, sondern beschaffbare Verfahren.

Ein praxisnaher Höhepunkt war derBaggersimulator, der in Zusammenarbeit mit Leica Geosystems und dem KurszentrumGärtner Bern die Maschinensteuerung Leica MC1 erlebbar machte. Das System führtBaumaschinen herstellerunabhängig über eine einheitliche Plattform undunterstützt Vermessungs-, Aushub- und Planierarbeiten. Genau dieseHerstellerunabhängigkeit ist für das digitale Anlagenmanagement entscheidend,weil sie Maschinenparks über Marken hinweg auf einer Datenbasis zusammenführtstatt in Insellösungen zu zersplittern.

Robustere Pflanzen als langfristigeInvestitionsentscheidung
Zum fünften Mal wurde der Award «NeuePflanzen» vergeben, der Züchtungen würdigt, die zu Biodiversität,Widerstandsfähigkeit und Attraktivität von Grünräumen beitragen. Aus 26Einreichungen kürte die Jury fünf Sieger. Hinter der gärtnerischen Auswahl stehteine ökonomische Logik: Hitzetolerante und widerstandsfähige Sorten senken überihren Lebenszyklus Bewässerungs-, Ersatz- und Pflegekosten. Eine Bepflanzungist damit eine Investitionsentscheidung mit mehrjährigem Horizont, nicht einegestalterische Momentaufnahme. Für Areale, die unter zunehmendenTrockenperioden bestehen müssen, verschiebt sich die Sortenwahl von einerästhetischen zu einer betrieblichen Frage, bei der Robustheit und geringerUnterhalt schwerer wiegen als kurzfristige Wirkung.

Ein Netzwerkort mit Entscheidungsdichte
Der einmalige Parkstandort rund um dieGartenbauschule bleibt das eigentliche Alleinstellungsmerkmal, weil sichnirgendwo sonst in der Schweiz Maschinen auf einer so grossen Freifläche impraktischen Einsatz vergleichen lassen. Was im Prospekt gleich aussieht, trenntsich im Feld schnell. Für Verantwortliche in Beschaffung und Unterhalt istdieser direkte Vergleich unter Praxisbedingungen mehr wert als jedesDatenblatt.

Die ÖGA 2026 zeigte eine Branche, die nichtauf Klimadruck, Fachkräftemangel und Kostendruck reagiert, sondern ihnen mitkonkreten, beschaffbaren Lösungen begegnet. Wer Aussenanlagen verantwortet,fand in Koppigen weniger einzelne Produkte als eine Landkarte der nächstenInvestitionszyklen. Die nächste Ausgabe folgt vom 28. bis 30. Juni 2028, unddie zwei Jahre dazwischen sind genau der Planungshorizont, in dem sich dieseEntscheidungen treffen lassen.

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