
Facility Manager haben heute die Chance, die Unterhaltskosten für Aussenflächen zu senken, von klaren Wassernutzungsvorschriften zu profitieren. Der Übergang zu klimangepassten Aussenräumen verändert direkt, wie Liegenschaften an Wert halten, Starkregen bewältigen und Kühlenergie einsparen. Zu wissen, welche Pflanzen und Wassertechnologien tatsächlich messbare Erträge liefern, wird deshalb zur Kernkompetenz des Betriebs.
Die Landschaftsflächen eines Gewerbeareals waren lange Zeit eine ästhetische Frage. Ein Rasen, der grün aussah. Ein paar Sträucher, die keinen Ärger machten. Eine Bewässerung, die von April bis September nach Plan lief. Die Bodentemperaturen in Schweizer Städten erreichen regelmässig vierzig Grad Celsius. Bewässerungsverbote sind keine Ausnahmeereignisse mehr, sondern wiederkehrende Realität. Der Facility Manager, der Aussengrünen weiterhin als Dekoration behandelt, übersieht eine der wirksamsten Stellschrauben für Risikomanagement und Betriebskosten.
Diese Übersicht verbindet die globale Entwicklung, die technischen Systeme und die spezifische Situation in der Schweiz. Sie bietet eine fachlich fundierte Grundlage für Entscheidungen zu Investitionen, Planungen und Personalentwicklung in den nächsten fünf Jahren.
Die strategische Neuausrichtung
Die bedeutendste globale Verschiebung ist der Übergang vom ornamentalen Grün zur grünblauen Infrastruktur. Ein Aussenraum wird zunehmend als aktiver Teil der Gebäudetechnik verstanden. Er kühlt die Umgebung, reduziert den Abfluss von Starkregen und speichert Wasser für Trockenperioden. Diese Funktionen sind messbar und sie lassen sich in betriebswirtschaftliche Kennzahlen übersetzen.
Die Forschung an Eawag, ETH Zürich und EPFL hat in den letzten Jahren klare quantitative Zusammenhänge geliefert. Der Ersatz von versiegelten Flächen durch begrünte Versickerungszellen senkt die bodennahe Lufttemperatur um 0.4 bis 1.0 Grad Celsius. Grünflächen mit hoher Evapotranspirationsleistung, also dichte Bepflanzung mit hohem Blattflächenindex, kühlen effektiver als extensive Dachbegrünungen mit Sukkulenten. Für den Facility Manager bedeutet das, dass die Wahl der Pflanzen und der Bodenaufbauten direkten Einfluss auf die Kühllast des Gebäudes hat. Ein gesunder Baumbestand vor der Südfassade kann den Energiebedarf für Klimaanlagen um bis zu dreissig Prozent senken.
Der aktuelle Stand der Technik
Die Bewässerungstechnik hat sich in den letzten Jahren rascher weiterentwickelt als viele Betriebe nachvollzogen haben. Herkömmliche Bewässerungsuhren, die nach festen Zeitplänen arbeiten, sind obsolet. Der aktuelle Standard sind wettergekoppelte Steuerungen, die auf Basis von Echtzeitdaten zu Niederschlag, Temperatur und Bodenfeuchte entscheiden. Diese Systeme reduzieren den Wasserverbrauch im Vergleich zu zeitschaltuhrenbasierten Anlagen um etwa dreissig Prozent, bei gleichzeitig besseren Pflanzenergebnissen. Die Investition amortisiert sich in der Regel innerhalb von ein bis zwei Vegetationsperioden.
Parallel dazu setzt sich das Prinzip der Hydrozonierung durch. Das bedeutet, dass Pflanzen nach ihrem tatsächlichen Wasserbedarf gruppiert werden. Eine Fläche mit durstigem Rasen neben einem Beet mit trockenresistenten Stauden zu betreiben, ist ein Planungsfehler. Entweder die Stauden verfaulen bei ausreichender Bewässerung für den Rasen, oder der Rasen stirbt ab, wenn nur für die Stauden bewässert wird. Fachgerechte Hydrozonierung trennt diese Bereiche entweder räumlich oder durch unterschiedliche Bewässerungskreise mit separaten Steuerungen.
Ein weiterer etablierter Standard ist die unterirdische Tröpfchenbewässerung. Anders als Beregnungsanlagen verliert sie kaum Wasser durch Verdunstung. Sie arbeitet effizienter und stört die Nutzung der Flächen nicht. Für repräsentative Eingangsbereiche oder intensiv genutzte Aussenräume ist sie die technisch überlegene Lösung. Die Mehrkosten gegenüber einer Beregnungsanlage liegen im einstelligen Prozentbereich des Gesamtprojekts.
Die nächste Entwicklung
In den kommenden Jahren werden mehrere Technologien vom Pilotstatus in die Breitenanwendung übergehen. Die wichtigste ist die autonome, vernetzte Bewässerung. Sensornetze im Boden messen kontinuierlich die Wasserpotenziale in verschiedenen Tiefen. Wetterstationen auf dem Dach liefern lokale Niederschlags und Verdunstungsdaten. Diese Informationen fliessen in ein KI gestütztes Steuerungssystem, das Bewässerungsentscheidungen nicht mehr auf Basis von Schwellwerten trifft, sondern prädiktiv. Das System weiss siebzig Stunden vor einer Hitzewelle, dass es die kritischen Wurzelzonen einmalig vornässen und dann die Bewässerung für weniger empfindliche Zonen herunterfahren muss. Der Facility Manager greift nur noch bei Störungen ein, etwa bei einem defekten Ventil oder einem ausfallenden Sensor.
Die zweite Entwicklung betrifft den Boden selbst. Biopolymer Hydrogele auf Basis von Alginat oder Cellulose werden die erdölbasierten Superabsorber ablösen. Diese Granulate werden einmalig in den Boden eingearbeitet und halten dort drei bis fünf Jahre. Sie nehmen das Vielfache ihres Eigengewichts an Wasser auf und geben es über Wochen langsam an die Pflanzenwurzeln ab. In Kombination mit Pflanzenkohle, die ebenfalls Wasser speichert und gleichzeitig Kohlenstoff bindet, sinkt der Bewässerungsbedarf um sechzig bis achtzig Prozent. Ein mittelgrosser Gewerbepark könnte mit dieser Technologie von wöchentlicher auf monatliche Bewässerung umstellen.
Die weitere Perspektive
Die Schweiz ist kein Vorreiter bei der flächendeckenden Umsetzung dieser Technologien, aber sie verfügt über exzellente Forschungsgrundlagen und einige wegweisende Referenzprojekte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen verschärfen sich. Die kantonale Vollzugshilfe zum Gewässerschutzgesetz verlangt zunehmend den Nachweis von Retention und Versickerung auf dem eigenen Grundstück. Für Neubauten ist das weitgehend standardisiert. Für bestehende Liegenschaften kommen die Anforderungen schleichend über die Erneuerung von Einleitungsbewilligungen oder über Versicherungsprämien.
Ein konkretes Projekt zeigt, wie die Umsetzung in der Schweiz aussehen kann. Das WolkenWerk in Zürich Nord ist ein Hochhaus-Trio in Zürich Oerlikon, das 2021 fertiggestellt wurde. Das Gebäude verfügt über eine vollständige Wasserkaskade. Regenwasser von den begrünten Dächern fliesst durch ein siebzig Zentimeter tiefes Substrat, speist einen Teich auf dem Vorplatz und gelangt dann in ein unterirdisches Speicherbauwerk. Bei einem Starkregenereignis dauert es zwei Wochen, bis das Wasser im Kanal ankommt. Die Vegetation ist gezielt trockenresistent. Der Boden enthält keinen Humus, um die statische Last zu reduzieren. Die Pflanzen ernähren sich ausschliesslich von fallendem Laub. Für den Facility Manager ist dieses Projekt relevant, weil es zeigt, dass wassersparende Systeme nicht mit geringerer Gestaltungsqualität einhergehen müssen. Das WolkenWerk ist ein ästhetisch anspruchsvoller Aussenraum und gleichzeitig ein technisch hochwertiges Retentionsbauwerk.
Die Forschung an Eawag in Dübendorf liefert weitere relevante Ergebnisse. Dort wird ein System getestet, bei dem Wasserbecken auf Dächern gleichzeitig als Energiespeicher für eine kleine Pumpspeicheranlage dienen und die gespeicherte Menge für die Bewässerung der Dachbegrünung genutzt wird. Die Kombination von Photovoltaik, Wasserspeicher und Begrünung auf einer Fläche ist ein Modell für die effiziente Nutzung knapper urbaner Flächen.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen
Die Kosten für die beschriebenen Massnahmen sind in den letzten Jahren gesunken, während die Kosten für Wasser und für die Nichtbewässerung gestiegen sind. Eine wettergekoppelte Steuerung für eine mittlere Gewerbeliegenschaft kostet in der Anschaffung zwischen dreitausend und zehntausend Franken, abhängig von der Anzahl der Zonen. Die Amortisation erfolgt durch Wassereinsparungen innerhalb von zwölf bis vierundzwanzig Monaten. Die Umstellung von Rasen auf trockenresistente Staudenbeete kostet pro Quadratmeter zwischen zwanzig und fünfzig Franken für Planung, Bodenaustausch und Pflanzung. Die jährlichen Einsparungen durch geringeren Bewässerungs und Mähaufwand liegen bei fünf bis fünfzehn Franken pro Quadratmeter.
Die grösseren Investitionen, wie Zisternen oder Grauwasseranlagen, bewegen sich im Bereich von zehntausend bis fünfzigtausend Franken für typische Gewerbeliegenschaften. Die Amortisationszeiten liegen zwischen fünf und zehn Jahren. Entscheidend ist hier die regionale Wasserpreisentwicklung. In Gemeinden mit steigenden Wasserpreisen oder saisonalen Spitzentarifen verkürzen sich die Amortisationszeiten deutlich. Facility Manager sollten die lokalen Wasserwerksgebührenordnungen auswerten, bevor sie eine Investitionsentscheidung treffen.
Eine mögliche Umsetzung
Ein mögliches Szenario gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Phasen, die von schnell wirksamen Sofortmassnahmen bis hin zu strukturellen Investitionen reichen.
Phase 1: Grundoptimierung
Der Einstieg erfolgt über Massnahmen mit kurzer Amortisationsdauer. Bodenfeuchtesensoren werden in bestehende Bewässerungszonen integriert, die Steuerung auf wettergekoppelte Algorithmen umgestellt. Rasenflächen ohne Nutz- oder Sichtfunktion werden identifiziert, mit Rindenmulch abgedeckt und mit trockenresistenten Stauden bepflanzt. Diese Phase erzielt messbare Einsparungen ohne grosse Vorinvestitionen.
Phase 2: Pilotierung neuer Technologien
Repräsentative Teilbereiche werden mit unterirdischer Tröpfchenbewässerung ausgestattet. Wo die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es erlauben, kann eine Atmosphärenwasser-Generatoreinheit in Kombination mit einer Solaranlage beschafft werden. Gleichzeitig wird der Boden in ausgewählten Beeten durch Pflanzenkohle und Biopolymer-Hydrogele in seiner Wasserspeicherfähigkeit verbessert.
Phase 3: Systemintegration und Transparenz
Die Bewässerungssteuerung wird in übergeordnete Gebäudemanagementsysteme eingebunden. Wasserverbrauchsdaten fliessen in das betriebliche Berichtswesen ein und lassen sich in Relation zu Niederschlagsmengen und Kühllasten setzen. Diese Datenbasis schafft Nachweisfähigkeit gegenüber Behörden, Investoren und Versicherungen und ist in Gemeinden mit Wasserbudgets oder dynamischen Tarifen zunehmend Voraussetzung für die Teilnahme an Handelsmechanismen.
Phase 4: Strukturelle Transformation
Die letzte Phase umfasst die kapitalintensiven Massnahmen: Nachrüstung blaugrüner Dächer, Bau von Zisternen mit Anbindung an die unterirdische Bewässerung sowie Umwandlung verbleibender Rasenflächen in Trockenrasen oder Wildblumenwiesen. Am Ende steht eine Liegenschaft, die für die Landschaftsbewässerung netto null erreicht – kein Trinkwasser mehr für Grünflächen, sondern ausschliesslich Regen, Grauwasser oder atmosphärisch gewonnenes Wasser.
Risiken und deren Management
Die beschriebenen Technologien sind nicht risikofrei. Biopolymer Hydrogele können vorzeitig degradieren, wenn sie mit falschen Bodenparametern oder mit chlorhaltigem Wasser in Kontakt kommen. Der Facility Manager sollte von den Lieferanten eine fünfjährige Leistungsgarantie verlangen und die Bodenparameter vor der Anwendung durch ein Labor bestätigen lassen. Atmosphärenwasser Generatoren haben einen hohen Stromverbrauch. Sie lohnen sich nur in Verbindung mit eigener Photovoltaik oder in Regionen mit sehr hohen Wasserpreisen. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung muss den Stromverbrauch gegen die Wasserkosten aufrechnen.
Die grösste Gefahr ist jedoch das Scheitern von Pflanzen. Trockenresistente Sorten aus dem Handel sind nicht immer für das spezifische Mikroklima eines urbanen Standorts geeignet. Der Facility Manager sollte nur Sorten verwenden, die an unabhängigen Forschungsstationen, etwa der ZHAW Wädenswil oder der Agroscope, getestet wurden. Die Beschaffung sollte eine Überlebensgarantie von mindestens zwei Jahren einschliessen.
Fazit für die Praxis
Die Klimaanpassung von Aussengrünflächen ist kein Modebegriff, sondern eine technische und betriebswirtschaftliche Aufgabe. Die Lösungen sind verfügbar, die Kosten sind kalkulierbar, die Risiken sind beherrschbar. Der Facility Manager, der heute mit Bodenfeuchtesensoren und Hydrozonierung beginnt, wird in drei Jahren niedrigere Betriebskosten und eine höhere Werthaltigkeit seiner Liegenschaft haben. Derjenige, der wartet, wird in fünf Jahren mit höheren Wasserpreisen, strengeren Auflagen und einem Sanierungsstau konfrontiert sein.
Das Schweizer Referenzprojekt WolkenWerk in Zürich Nord zeigt, dass ästhetisch anspruchsvolle und technisch ausgereifte Lösungen realisierbar sind. Es ist kein Pilotprojekt mehr, sondern eine machbare Referenz. Die Aufgabe des Facility Managements ist es, diese Referenz auf die eigene Liegenschaft zu übertragen.
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Wassersparende Systeme im FM
1. Wettergekoppelte Steuerung
Die Steuerung nutzt Echtzeitdaten zu Niederschlag, Temperatur und Bodenfeuchte, um Bewässerungspläne automatisch anzupassen. Sie bewässert nur dann und dort, wo es nötig ist.
2. Unterirdische Tröpfchenbewässerung
Das System leitet Wasser direkt in die Wurzelzone unter der Erdoberfläche. Dadurch entfallen Verdunstungsverluste und die Oberfläche bleibt trocken.
3. Autonome vernetzte Bewässerung mit Künstlicher Intelligenz
Ein prognosefähiges System, das Wettervorhersagen mehr als siebzig Stunden im Voraus kennt. Es wässert kritische Wurzelzonen vor einer Hitzewelle einmal vor und reduziert die Bewässerung anderswo.
→ Dieses System erfordert die Koordination von Informations- und Betriebstechnologie, einschliesslich Sensoren, Netzwerken und Cloud-Plattformen.
4. Kapillarbewässerung
Dochtmaterialien ziehen Wasser aus einem Reservoir nach oben in die Wurzelzone. Das System benötigt keine Pumpen oder Zeitschaltuhren.
5. Retentionskaskade (WolkenWerk Prinzip)
Regenwasser wird auf begrünten Dächern gesammelt, durch ein tiefes Substrat in einen Retentionsteich geleitet und dann in ein unterirdisches Speicherbauwerk geführt. Das Wasser wird langsam wieder abgegeben.
6. Biopolymer Hydrogele
Ein Bodenkonditionierungsmittel, das ein Vielfaches seines eigenen Gewichts an Wasser aufnimmt und über mehrere Wochen langsam an die Pflanzenwurzeln abgibt.
7. Hydrozonierung
Pflanzen werden nach ihrem tatsächlichen Wasserbedarf gruppiert. Bereiche mit hohem und niedrigem Wasserbedarf werden entweder räumlich getrennt oder mit separaten Bewässerungskreisen versorgt.
8. Grünblaue Infrastruktur
Aussenräume werden als aktive Gebäudetechnologie behandelt. Sie tragen zur Kühlung, zum Rückhalt von Starkregen und zur Wasserspeicherung bei.
9. Gebäudeintegrierte Begrünung
Dachbegrünungen, Fassadenbegrünungen und aktive biobasierte Systeme werden in die Gebäudehülle integriert. Sie dienen der Kühlung, der Ästhetik und der Wasserbewirtschaftung.
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